Big-issue

Das big-issue Modell, entwickelt von den PollyVote-Teammitgliedern Andreas Graefe and Scott Armstrong, prognostiziert die Zweiparteienstimmenanteile für Demokraten und Republikaner auf Basis von Umfragedaten, welche Informationen darüber liefern, wie die Wähler die Kandidaten/Parteien in deren Fähigkeit einschätzen, das wichtigste Problem des Landes zu lösen.

Das big-issue Modell ist einfach zu verstehen und anzuwenden, und liefert Entscheidungsunterstützung für politische Entscheidungsträger. Mit anderen Worten, Kandidaten / Parteien können die Prognosen verwenden, um die eigene Kampagnenstrategie anzupassen. Grundsätzlich existieren dafür zwei Strategien, welche die Modellprognose beeinflussen können. So könnten die Kandidaten / Parteien versuchen, ihre eigene wahrgenommene Kompetenz im Umgang mit dem als am wichtigsten wahrgenommenen Problem zu steigern. Eine andere Strategie wäre, die politische Agenda so zu beeinflussen, dass ein Problem, für welches sie als besonders kompetent eingeschätzt werden, auf Seiten der Wähler als am wichtigsten betrachtet wird,

Das Modell nutzt zwei unterschiedliche Typen von Umfragedaten:

  • Umfragen, welche Wähler fragen, welches Problem diese als am wichtigsten erachten, wie zum Beispiel:

‘‘What do you think is the most important problem facing this country today?’’

  • Umfragen, welche Fragen, welcher Kandidat bzw. welche Partei besser geeignet ist, das als am wichtigsten erachtete Problem zu lösen, wie zum Beispiel:

„Regardless of which (2016) presidential (election) candidate you support, please tell me if you think Hillary Clinton or Donald Trump would better handle each of the following issues. How about..the economy?’’

Auf Basis dieser Daten wird eine einfache Entscheidungsregel angewandt, um den Wahlgewinner zu bestimmen:

  1. Identifizieren des am wichtigsten wahrgenommenen Problems,
  2. Ermittlung der Zweiparteien-Wähleranteile, welche die Kandidaten / Parteien zur Lösung dieses Problems bevorzugen
  3. Der Kandidat / die Partei mit der höchsten Unterstützung wird als Wahlsieger prognostiziert.

Prognosen der Zweiparteienstimmenanteile werden schließlich mittels einfacher linearer Regression auf Basis historischer Daten der 11 Wahlen von 1972 bis 2012 ermittelt. Hierbei wird der gleitende Durchschnitt (berechnet durch exponentielle Glättung) der Wählerunterstützung für den Kandidaten der amtsinhabenden Partei als unabhängige Variable (BI), und die tatsächlichen Stimmenanteile der Kandidaten als abhängige Variable verwendet (V). Daraus ergibt sich folgende Modellgleichung:

V = 25.9 + 0.5 * BI

Dies bedeutet, das big-issue Modell prognistiziert, dass der Kandidat der amtsinhabenden Partei einen Stimmenanteil von 25.9% sicher hat, plus einen variablen Anteil in Abhängigkeit von BI. Wenn die Wählerunterstützung für den Amtsinhaber um 10 Prozentpunkte zunimmt, steigt der finale Stimmenanteil um 5 Prozentpunkte.

Eine ex post Analyse auf Basis der 10 Wahlen von 1972 bis 2008 hat gezeigt, dass das big-issue Modell ähnlich gute Prognosen lieferte wie ökonometrische Modelle und die IEM Prognosemärkte (Graefe & Armstrong, 2012). Diese Ergebnisse haben sich während der 2012er Wahl, für welche das Modell erstmals eingesetzt wurde, bestätigt (Graefe & Armstrong, 2014).

An ex post analysis for the ten elections from 1972 to 2008 showed that the big-issue model provided forecasts that were competitive compared to forecasts from econometric models and the Iowa Electronic Markets (IEM) prediction markets (Graefe & Armstrong, 2012). An analysis of the model’s first ex ante forecasts for the 2012 election provided similar results. The big-issue model was again more accurate than the IEM and the typical econometric model (Graefe & Armstrong, 2014).

References